Lipödem: wie Ernährung und Sport helfen können

Lipödeme sind nicht heilbar. Mit einer gezielten Behandlung, einer ausgewogenen Ernährung und einem angepassten Bewegungsverhalten können die Beschwerden jedoch entscheidend verringert werden.

Die klassische Therapie setzt auf Manuelle Lymphdrainage, Kompressionstherapie, Bewegungstherapie, Hautpflege und Selbstmanagement. Durch diese Maßnahmen kann eine deutliche Schmerzlinderung erreicht werden. Ernährung und Sport sind ebenfalls wichtige Themenbereiche, die sich auf den Verlauf und die Symptomausprägung auswirken können. Das liegt vor allem daran, dass Übergewicht ein Lipödem negativ beeinflussen kann. So droht bei einer gleichzeitigen Adipositas ein Lymphödem, was von Medizinern auch als Lip-Lymphödem bezeichnet wird.

Lipödem

© AdobeStock_202712521 (Autor: Vadym)

Lipödem und Übergewicht: das ist der Unterschied

Das krankhafte Lipfett ist nicht das gleiche wie Adipositas-Fett. Bei einem Lipödem liegt eine Fettverteilungsstörung vor. Noch besteht Klärungsbedarf, wenn es um das Thema Lipödem geht. Schließlich sind sich Wissenschaftler bis heute nicht einig, ob die Diagnose mit einer Vergrößerung der Fettzellen oder mit einer übermäßigen Fettzellenbildung einhergeht. Auch eine Kombination aus beiden Faktoren ist möglich.

Zudem konnte bisher nicht eindeutig entschlüsselt werden, welche Ursachen einem Lipödem zugrunde liegen. Womöglich könnte eine Störung im Bereich der Energiekraftwerke der Zellen eine Rolle spielen. Auch eine Veränderung in der Kapillardurchblutung kann nicht ausgeschlossen werden. Wenn es um das Thema: Lipödem (Symptome, Ursachen und Therapie) geht, bleiben also noch einige Fragen offen.

Der größte Unterschied ist jedoch sichtbar. Während Menschen mit Adipositas häufig generell unförmig erscheinen, konzentriert sich die Fettverteilungsstörung bei Patienten auf die Arme und Beine. Zudem leiden Lipödem- Patienten unter Druckschmerzen und Wassereinlagerungen.

Lipödem: Was bringt eine Ernährungsumstellung?

Fälschlicherweise wird häufig angenommen, dass eine gezügelte Ernährung automatisch zu einer Abnahme des Umfangs von belasteten Regionen führt. Wissenschaftler sind sich jedoch einig, dass eine Diät der falsche Therapieansatz ist. Statt Kalorien zu zählen, sollte eine bewusste Ernährungsumstellung, die von Freude und Genuss gekennzeichnet ist, erfolgen. So können eine nachhaltige Gewichtsreduktion (sofern Übergewicht besteht) und eine gute Versorgung mit Nährstoffen sichergestellt werden.

Netter Nebeneffekt:
Die Leistungsfähigkeit und das Wohlbefinden werden mit einer abwechslungsreichen Ernährung gesteigert. Auch wenn Übergewicht und Lipödem zwei Paar Schuhe sind, gehen sie häufig miteinander einher.

In diesem Fall ist es sinnvoll, das Übergewicht zu reduzieren, um die Beschwerden zu lindern. Dafür ist es nötig, einen individuellen Therapieplan zu entwickeln, wobei Therapiebegleiter helfen können. Generell gilt: Der Energieverbrauch sollte höher ausfallen, als die Energieaufnahme.

Dafür sind folgende Tipps hilfreich:

  • ausreichend trinken (mindestens 2 Liter täglich), vorzugsweise Wasser
  • frisches Gemüse und Obst täglich auf den Speiseplan setzen
  • Kohlenhydrate aus Vollkornprodukten, Gemüse und Obst bevorzugen
  • zweimal die Woche Fisch essen, vorzugsweise Kaltwasserfische wie Lachs, Makrelen oder Hering
  • bewusste Fleischaufnahme (ein bis zweimal pro Woche)
  • versteckten Fetten in Fleisch, Wurst, Käse und Süßigkeiten die Rote Karte zeigen
  • die Zuckerzufuhr begrenzen, vorzugsweise mit Obst süßen
  • gesunde Pflanzenöle wie Olivenöl oder Speiseleinöl anwenden
  • Selbst Gekochtes Fertiggerichten vorziehen
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Lässt sich ein Lipödem wegtrainieren?

Egal, wie viel Sport Betroffene treiben, ein Lipödem kann die Erkrankung des Fettgewebes nicht aufhalten. Dennoch ist ein gezielter Bewegungsplan wichtig, denn damit können überflüssige Fettpölsterchen reduziert werden. Zudem wirkt Sport einem sekundären Lymphödem entgegen, was mit weiteren Beschwerden einhergeht.

Patienten mit einem Lipödem wird zu der Komplexen Physikalischen Entstauungstherapie (KPE) geraten. Dabei stehen manuelle Lymphdrainage, Kompressionstherapie, Hautpflege, Bewegung und Selbstmanagement im Vordergrund. Ziel ist es, Beschwerden zu lindern und Komplikationen zu vermeiden.

Fest steht: Betroffene können einiges dafür tun, um an sich selbst zu arbeiten und die Behandlungserfolge zu unterstützen. Auch die Lebensqualität und das Durchhaltevermögen können mithilfe von Sport und Selbstmanagement gesteigert werden.

Dürfen Lipödem-Patienten jeden Sport machen?

Menschen mit der Diagnose Lipödem machen in erster Linie Sport, um zusätzliches Gewicht zu reduzieren bzw. keine zusätzlichen Pfunde aufzubauen. Krafttraining spielt hier eher die Nebenrolle. Patienten sollten stattdessen ihren ganzen Körper mit einbeziehen und ihm mehr Ausdauer verleihen. Allerdings sollten die Übungen moderat ausfallen, um die belasteten Gelenke nicht zu sehr zu beanspruchen.

Lipödem-Patienten sind beim Sport auf ihre Kompressionsstrümpfe angewiesen. Durch das Tragen wird der Transport vom Blut und Lymphflüssigkeit unterstützt. Das Venen- und Lymphsystem wird gleichzeitig entlastet. Das ist unbedingt erforderlich, da sonst die Gefahr besteht, dass sich Flüssigkeit im Gewebe ansammelt und zu neuen Ödemen führt, die mit Schmerzen einhergehen.

Folgende Sportarten eignen sich für Patienten mit Lipödem:

  • Nordic Walking
  • Cross-Training
  • Wassersportarten
  • Faszientraining

Fazit

Ein Lipödem ist nicht heilbar. Diäten, Fastenkuren und exzessiver Sport können den zusätzlichen Körperumfang, der durch die Fettverteilungsstörung ausgelöst wird, nicht beheben. Trotzdem spielen Ernährung und Bewegung eine wichtige Rolle im Leben von Lipödem-Patienten. Nicht selten geht die Erkrankung mit einem Übergewicht einher. Dann ist es wichtig, überflüssige Fettpolster abzubauen, um die Beschwerden zu lindern. Das gelingt am besten mit einer Ernährungsumstellung und regelmäßiger sportlicher Betätigung. Zudem können damit Komplikationen wie einem Lymphödem entgegengewirkt werden. Nicht zuletzt können eine abwechslungsreiche Ernährung und moderater Sport das Wohlbefinden und die Lebensqualität steigern. Wichtig ist, dass Patienten Kompressionsstrümpfe tragen, wenn sie ihren Bewegungsplan verfolgen. Damit wird das Venen- und Lymphsystem entlastet und neuen Ödemen entgegengewirkt.

Artikelbild: © AdobeStock_202712521 (Autor: Vadym)

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